Alles frisch!
Endlich Frühling! Blumen, Blätter, Blüten – alles frisch. So wie die Luft, die man erleichtert einatmet. Dunkelheit und Kälte des Winters weichen, das Leben kehrt wieder. All das verbinde ich mit dem Wort "frisch".
Das ist ein ganz wichtiges Wort für uns Menschen. Wir genießen es, wenn Lebensmittel frisch sind. Und wenn man frisch verliebt ist! Nach einer anstrengenden Reise tut eine Erfrischung gut. Der Duft frischer Wäsche, die in der Sommersonne getrocknet hat, ist köstlich. Wenn wir einen schönen Urlaub hinter uns haben, sind wir noch ganz von den frischen Erfahrungen erfüllt. Und in angenehmer Gesellschaft gemeinsame Erinnerungen auffrischen, das tut richtig gut.
Frische, so scheint mir, hat viel mit einem Zustand der Gegenwart und Ursprünglichkeit zu tun, mit einem intensiven Gefühl für das Leben. Das passt zu den Bedeutungen, die ich in einem Herkunftswörterbuch zu "frisch" finde. "Eben erst entstanden, neu in Gebrauch genommen, noch nicht abgenutzt" kann, "frisch" bedeuten, aber auch "regsam" und "kühl" und "nicht eingesalzen".
Und damit bin ich noch einmal am Ostermorgen. Der Tag ist noch kühl, Frauen haben sich schon zum Grab aufgemacht, doch dort hat sich längst das Leben von Ewigkeit geregt. Das Grab ist leer und die Botschaft lautet: "Etwas gänzlich Neues ist entstanden – der Erste, der den Tod hinter sich gelassen hat, lebt. Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!" Ostern ist die Quelle immer neuer Frische für unseren Glauben. Aus dem leeren Grab dringt nicht der verwesende Geruch der Vergänglichkeit, sondern die frische Brise, die den Geist belebt und die Herzen aufmacht, die Lust auf Leben bringt und durchatmen lässt.
Das ewige Leben, das Christus bringt, kann ich mir nicht anders vorstellen als eine himmlische Erfrischung. "Was hier kranket, seufzt und fleht, wird dort frisch und herrlich gehen", heißt es darum im Lied "Jesus, meine Zuversicht". Der Glaube an den auferstandenen Herrn ist aber auch in der Gegenwart einfach erfrischend: "All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu; sie hat kein End den langen Tag, drauf jeder sich verlassen mag."
Und besonders schön ist die Erkenntnis, dass Frische im Glauben nicht nur auf Junge beschränkt ist. Heißt es doch in Psalm 92: "Die gepflanzt sind im Hause des HERRN, werden in den Vorhöfen unseres Gottes grünen. Und wenn sie auch alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein."
Die Frische, die wir auch sonst im Leben mit Recht suchen, die wünsche ich Ihnen auch für Ihr Vertrauensverhältnis zu Gott. Er ist die Quelle des Lebens und aller Frische. Wir dürfen es wieder neu in den frischen Farben der Schöpfung im Frühling sehen.
Jürgen Manderla
Pfarrer