Am 15. Juli feierten wir das 150-jährige Bestehen unserer Gemeinschaft in den Niederlanden. Hier veröffentlichen wir die Predigt von Pater Jansen, in der er auf bedeutende Ereignisse dieser Geschichte eingeht.
Predigt von Pater Jansen
An diesem Tag, zu dieser Stunde, fließt die Vergangenheit zurück in die Gegenwart …
Im April 1841 war der junge Priester Eduard Michelis tief bewegt vom Elend körperlich und geistig vernachlässigter Kinder in St. Mauritz. Am 3. November 1842 gründete er die Ordensgemeinschaft der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung. Sie hat sich bis heute weltweit verbreitet und sogar eine Niederlassung auf der vor der Westküste Afrikas gelegenen Insel Príncipe gegründet.
An diesem Tag, zu dieser Stunde, fließt die Vergangenheit zurück in die Gegenwart …
Am 11. Februar 1876 kam eine Gruppe von Schwestern unter dem Druck und Einfluss des Kulturkampfes in Deutschland in die Niederlande. Sie ließen sich zunächst in Blerick und später in Steyl nieder. Und es mag ein Zufall gewesen sein: Hier in Steyl, wo wir heute versammelt sind, betreuten die Schwestern von der Göttlichen Vorsehung den Haushalt der Patres und Brüder der Steyler Missionare, SVD. In den Niederlanden erlebte die Ordensgemeinschaft eine große Blütezeit. Zahlreiche Klöster im ganzen Land engagierten sich in Schulen, Krankenhäusern, in der Pflege von Menschen mit Behinderung, in der ambulanten Krankenpflege und in der Hauswirtschaft.
An diesem Tag, zu dieser Stunde, fließt die Vergangenheit zurück in die Gegenwart …
Vor siebzig Jahren weihte Schwester Agnes ihr Leben der Ordensgemeinschaft und begann ihre Arbeit im Bildungsbereich.
An diesem Tag, zu dieser Stunde, fließt die Vergangenheit zurück in die Gegenwart …
Im Jahr 1948 kam ich mit Schwester Irene in den Kindergarten nach Helden. Bis heute bewahre ich eine schöne Erinnerung an diese Zeit. Vom ersten Tag an fühlte ich mich bei ihr wie zu Hause. Ihre Fröhlichkeit war ansteckend und sie hatte ein verspieltes Temperament.
1969 arbeitete ich einige Monate als Kaplan in der St.-Martins-Gemeinde im Stadtzentrum von Venlo. Eines Nachmittags klingelte es an der Tür. Vor der Tür stand eine Schwester, die ich sofort erkannte: Schwester Irene! Mit erhobenen Händen rief sie: „Mein Kindergartenkind!“
Während des Krieges wurde meine Mutter durch eine Granatenexplosion schwer verwundet. Sie kam ins Krankenhaus und durfte sich später im Kloster der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung erholen. Auch die Gemeindekrankenschwester Sr. Carissima kümmerte sich sehr um unsere Familie. Sie fuhr ein kleines Motorrad, was damals etwas ganz Besonderes war. Wir sind ihr unendlich dankbar.
Heute sind wir zusammengekommen, um daran zu erinnern, wie Gott uns durch die Schwestern von der Göttlichen Vorsehung beigestanden hat, und um dies zu feiern.
Wir blicken auf eine bewegte Geschichte zurück. Es gab viele Höhen, aber auch Tiefen. Politische und gesellschaftliche Entwicklungen und Veränderungen beeinflussten dabei alles und jeden. Auch die Ordensgemeinschaft blieb von den Veränderungen innerhalb der Kirche nicht unberührt. Sie war nicht nur innerhalb der Landesgrenzen, sondern auch weit darüber hinaus in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten aktiv.
Wie ein roter Faden zog sich durch all das die Inspiration von Eduard Michelis: die Aufmerksamkeit und Fürsorge für schutzbedürftige Menschen. Gott zu begegnen bedeutet, für Menschen in Not da zu sein, Hilfe anzubieten, wo nötig, und ihnen Lebensqualität zu schenken. Das kann man „Vorsehung“ nennen: die Menschwerdung Gottes zu ermöglichen.
Und durch das Leben Jesu ist uns diese Menschwerdung Gottes nahegekommen und sichtbar geworden. Unter der Führung des Heiligen Geistes können wir sie fortführen. Die Heilige Dreifaltigkeit ist die Grundlage und das Fundament unseres Glaubens. Deshalb dürfen wir an die Vorsehung Gottes glauben, ihr vertrauen und aus diesem Glauben heraus immer wieder versuchen, Antworten auf die Nöte unserer Zeit zu finden. So wie es Eduard Michelis und unzählige Frauen nach ihm taten – mit dem heiligen Vinzenz von Paul als ihrem Schutzpatron vor Augen.
An diesem Tag, in dieser Stunde, fließt die Vergangenheit zurück in die Gegenwart …
Wir danken und gedenken. Doch Gedenken bedeutet nicht, in bloßer Erinnerung zu verharren. Gedenken bedeutet auch, nach vorne zu blicken und weiterhin an Gottes Vorsehung zu glauben. Die Worte unseres Gründers sind nach wie vor aktuell: den Menschen Heil zu bringen und so Gott zu verherrlichen. So war es am Anfang, so ist es heute und so wird es immer sein.
Einhundertfünfzig Jahre lang haben die Schwestern von der Göttlichen Vorsehung dies in den Niederlanden und weltweit, bis nach Príncipe, sichtbar gemacht. Die Göttliche Vorsehung kennt keine Grenzen, sie bricht immer wieder an unerwarteten Orten und zu unerwarteten Zeiten durch. Meist gerade inmitten menschlichen Leids, denn darin liegen die Momente der Heilung und der Verherrlichung Gottes im Dienst an den Menschen.
In dieser Stunde, an diesem Tag, fließt die Vergangenheit zurück in die Gegenwart …
Im Gebet danken wir Gott für das Vergangene, im Gebet feiern wir das Gegenwärtige und im Gebet bitten wir um den Segen für das Kommende – den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Amen.
GENERALAT DER SCHWESTERN VON DER GÖTTLICHEN VORSEHUNG
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